Ticketkauf vergessen – Verfahren nach Strafbefehl ohne Hauptverhandlung eingestellt

Meinem Mandanten wurde Beförderungserschleichung und Betrug vorgeworfen. Er hatte an einem stressigen Morgen vergessen, sich ein Ticket für die S-Bahn zu kaufen. Als er von Fahrausweiskontrolleuren angesprochen wurde, soll er falsche Personalien angegeben haben, um das erhöhte Beförderungsentgelt nicht zahlen zu müssen. Er erhielt ein Schreiben von der Polizei als Beschuldigter, mit dem er sich an mich wandte.

Nachdem ich mich als Strafverteidigerin bei der Polizei angezeigt und die Ermittlungsakte erhalten hatte, wandte ich mich mit einem Schriftsatz an die Staatsanwaltschaft. Ich legte dar, dass mein Mandant das Ticket lediglich aus Stress vergessen hatte und sonst immer einen Fahrausweis erwirbt. Zudem waren die Kontrolleure in ziviler Kleidung unterwegs und hatten ihren Dienstausweis nicht gezeigt. Mein Mandant war deshalb verunsichert, ob es sich tatsächlich um Kontrolleure oder nicht doch Betrüger handelte. Wenige Wochen vor dem Vorfall hatte er in der Zeitung gelesen, dass falsche Kontrolleure erhöhtes Beförderungsentgelt eingetrieben und für sich behalten hatten. Ich beantragte, das Verfahren mangels Tatnachweis oder hilfsweise gegen eine Geldauflage einzustellen.

Die Staatsanwaltschaft kam meiner Anregung nicht nach und beantragte den Erlass eines Strafbefehls beim Amtsgericht. Mit dem Strafbefehl sollte mein Mandant zu einer Geldstrafe verurteilt werden. Gegen den Strafbefehl legte ich Einspruch ein und bot dem Gericht die Zahlung einer Geldauflage an, wenn das Verfahren eingestellt werden würde. Das Gericht konnte offenbar die Staatsanwaltschaft überzeugen und stellte das Verfahren gegen eine geringe Geldauflage ein. Mein Mandant war über den Ausgang des Verfahrens mehr als glücklich, da er beruflich auf einen einwandfreien Leumund angewiesen war.

Februar 2023

 

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